oWrks - eine agile "Lern"-Umgebung
Derzeit finden einige in der Pipeline entwickelten Projekte langsam ihren Weg in die Öffentlichkeit. Ich hoffe, aus diesem entstehenden Mikroskosmos verbleibt am Ende mehr als eine wünschenswerte Sternschnuppen-Fanfare ...
Heute möchte ich das sich derzeit konstituierende Open-Source-Projekt oWrks vorstellen, dessen aktueller Stand angesichts seiner diversifizierten Entstehungsgeschichte recht interessant ist und in der Retrospektive eine ungewöhnliche Laufbahn vollzog.
Ganz am Anfang steht aus meiner Sicht das gemeinsam mit Martin Lindner vor fast 3 Jahren initiierte Projekt der Anonymen Nichtlernenden. Wir überlegten damals, wie eine sozio-technologische Unterstützung von lebenslang Selbstlernenden aussehen müsste, um den Lernprozess attraktiv zu gestalten und gleichzeitig aus den starren Institutionen heraus lösen zu können. Wir kamen überein, dass agile Lerngruppen vielleicht ein Weg sein könnten, hier einen dynamischen, kollaborativen Lernprozess anzustossen.
Um diesen Prozess exemplarisch durchzuspielen, initiierten wir eine in meinen Augen hochkarätige, berufstätige "Lerngruppe", die sich sehr heterogen zusammensetzte, insgesamt aber sehr erprobt war im kollaborativ willigen, asynchronen Online-Web-Working. Als gemeinsame Aufgabe setzten wir uns, eine Methode zum Getting Learning Done (GLD) zu entwickeln, die zukünftige Lerngruppen systematisiert durch ihren gemeinsamen Lernprozess geleiten könnte. Im Ergebnis kamen wir überein, dass jede kollaborative Gruppenarbeit ein gewisses Phasenmodell durchläuft, in der es unterschiedlicher technologischer Unterstützung braucht, um die einzelnen Menschen konstruktiv zu vernetzen bzw. ihre Arbeit gesellschaftlich anzubinden.
Derweil wir als GLD-Gruppe überlegten, wie wir nunmehr mit unseren Ergebnissen verfahren sollten, kam eine Studierenden-Gruppe von Medieninformatiker/innen auf mich zu, die eine Betreuung für ihr 2-semestriges Praxisprojekt suchten und im Bildungskontext sich einbringen wollten. Wir überlegten gemeinsam, ob es vielleicht passen könnte, auf den Erkenntnissen der GLD-Gruppe aufzubauen und so etwas wie eine agile Lernumgebung zu entwickeln. Nachdem wir uns auf einen groben Verlauf geeinigt hatten, ging es darum, die Studierenden erst einmal möglichst schnell in state-of-the-art Web-Leben einzuführen:
- Im ersten Schritt durchlief die AgileLearn-Gruppe also einen Schnellkurs sozio-technologisch organisierter Gruppenarbeit über Social Media und die Integration sinnvoller Cloud-Dienste.
- Als zweiten Schritt brachte ich die beiden Gruppen (GLD und AgileLearn) im Rahmen der eVideo Online-Konferenz 2010 zusammen. Es ging darum, den kreativen Input der erfahrenen Web-Worker/innen in die weiter entwickelten Phasen der AgileLearn-Gruppe einzuholen.
- Als dritten Schritt stieg das AgileLearn-Team in eine selbstbestimmte Konzeptionsphase ein, um Workflow, Technologie und Design fundiert miteinander in Einklang zu bringen und agil auszuhandeln. Ich wollte sehen, wie sie den umfassenden Input und ihre persönlichen Erfahrungen selbst zusammendenken, wie aus ihrer Sicht solch eine agile Lernumgebung aussehen müsste.
- Im vierten Schritt ging es schließlich darum, das Konzept technologisch umzusetzen und eine lauffähige App bereitzustellen.
Im Ergebnis scheint die Erfahrung mit Basecamp als zentralem Projektmanagement-Tool die nachhallendste Prägung gewesen zu sein, ergänzt um weitere aktuelle Komponenten. Die entwickelte App umfasst
- die Möglichkeit, selbstbestimmt oWos (online Workshops) zu initiieren und dafür andere interessierte Personen zu finden oder einzuladen;
- eine Nachbildung der zentralen Kernfeatures von Basecamp (Milestones, Tasks, Kommentierungen, Dashboard etc.), um oWos gemeinsam anzugehen;
- ein Phasenmodell, das mir wesentlich durch GLD geprägt zu sein scheint und Gruppen in verschiedenen Phasen unterschiedlich technologisch unterstützt;
- einen grundlegenden Gamification-Ansatz (der erst später voll zum Zuge kommt) mit ersten Missions und Steps;
- einen multimedialen Thread pro Task (Step), in den die kollaborativ gesammelten Ergebnisse einfliessen und der ein wenig an Facebook erinnert;
- diverse API-Schnittstellen, damit die Ergebnisse und Personen nicht im Closed Garden operieren, sondern sich mit der Welt draussen auseinander setzen können.
Das Ganze als Open-Source-Projekt angedacht, soll schon bald eine Installationsdatei öffentlich bereit gestellt werden, um darauf aufbauend eine dezentrale Community mit spielerischen Elementen optional aufsetzen zu können. Alles in allem also ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann (auch wenn bornierte Möchtegern-Ingenieur/innen hier die Nase rümpfen mögen angesichts so vieler trendiger Features, für die Nutzer/innen keine Programmierkenntnisse benötigen ...).
Da der Bldungsbegriff aus meiner Sicht ausgedient hat bzw. regelmäßig antiquierte Assoziationen weckt, haben wir uns nach Beendigung des eigentlichen Studierenden-Projektes entschlossen, der App einen anderen Namen zu geben, der den Kern besser zum Ausdruck bringt: oWrks steht also experimentierfreudigen Projekt-, Lern- und Arbeitsgruppen bald zur Verfügung, sich spielerisch und systematisiert durch ihre Grupenarbeit führen zu lassen. Ich selbst werde es jetzt im aktuellen eVideo-Kurs erstmals testen, während das verschlankte oWrks-Team an der Weiterentwicklung arbeitet. Wir sind alle gespannt, wohin uns die zukünftige Reise trägt. Weitere Informationen finden sich dann im oWrks-Blog. Stay tuned!
Und hier eine aktuelle Demo der App: